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leiser Abschied.

Januar 28, 2010

Ich komme gerade aus dem Krankenhaus.

Und was soll ich sagen, ich hab schon wieder einen Grappa getrunken… Mein Freund würde mit mir schimpfen und sagen, dass dies keine Lösung ist, wenn er davon wüsste…

Aber es betäubt und ich musste mich beruhigen, weil ich um 13 Uhr wieder auf Arbeit muss.

Überhaupt geschieht seltsames mit mir, seit ich vom Wachkoma erfuhr. So höre ich während ich dies schreibe in Dauerschleife Keri Hilsons „I like“, obwohl ich so eine Art Musik normalerweise gar nicht höre. Doch komischerweise beruhigt mich dieses Lied.

Man muss zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass dies wirklich meine Anni-Oma ist, die in dem Krankenbett liegt. Die Augen geschlossen, der Mund offen, die Haare sind nicht mehr weiß, sondern eher gelblich und das Gesicht erscheint mir irgendwie länger.

Das ist nicht wirklich meine Oma…

Sie wälzt sich still hin und her. Dann fängt sie an zu jammern, man versteht nicht wirklich ein Wort, vielleicht ruft sie nach ihrer Mutter, denn vor kurzem erzählte sie mir, dass sie in letzter Zeit oft an ihre Mutter denken muss.

Während sie jammert, faltet sie ihre Hände, so als ob sie beten würde und legt die Hände über ihren Kopf.

Ein wenig beruhigt es sie, wenn man ihr übers Gesicht fährt, die Hand hält… und man bekommt die Illusion, sie würde es merken, weil sie die Hand fest drückt.

Keiner kann sagen, ob sie in diesem Zustand etwas mitbekommt, was sie fühlt oder denkt, ob sie träumt oder Schmerzen leidet, und niemand weiß, wie lange es dauert, bis sie erlöst wird.

Ich hab sie gestreichelt, gesagt, dass ich sie lieb habe und vermisse, und sie zum Abschied auf die Stirn geküsst.

Auf dem Weg nach Hause wäre ich fast zur Kirche gefahren, um den Pfarrer zu fragen, wo sein Gott ist, warum er ihr das jetzt antut! Aber ich würde wohl eh keine befriedigende Antwort bekommen.

Vor lauter Wut und Hilflosigkeit hab ich sogar dran gedacht, aus der Kirche auszutreten, um Gott eins auszuwischen, aber falls es ihn doch geben sollte, wäre es ihm wohl sowieso egal.

Man hat verrückte, wirre Gedanken, wenn man traurig ist und sich hilflos fühlt…

Danke für eure lieben Kommentare!

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2 Kommentare leave one →
  1. Januar 29, 2010 11:00

    *umärmel dich*

  2. Januar 29, 2010 15:00

    ich denke, sie hat dich genau gespuert …
    und ich kann deine Wut nachvollziehen und verstehen
    aber …

    … waehrend AnniOma leise Abschied sagt
    sagt unsere Anna immer lauter ‚Hallo‘

    und das ist der Lauf der Menschen
    Hallo und Tschuess sagen

    ohne ein Tschuess, kann man nicht Hallo sagen …

    wir [!] sind da …

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